Schon wenig Licht beim Schlafen könnte das Herz verändern
Ein leuchtendes Smartphone auf dem Nachttisch, ein digitaler Wecker oder Licht von der Straße: Selbst geringe Lichtmengen während des Schlafs könnten Auswirkungen auf das Herz haben. Eine neue Studie deutet darauf hin, dass nächtliche Lichtexposition mit Veränderungen der Struktur und Funktion des Herzmuskels verbunden ist. Forscher beobachteten, dass bei Menschen, die während des Schlafs mehr Licht ausgesetzt waren, bestimmte Herzwände dicker waren. Gleichzeitig zeigten sich Veränderungen, die die Pumpfunktion des Herzens langfristig beeinträchtigen könnten. Mit zunehmender Helligkeit im Schlafzimmer wurden die beobachteten Unterschiede ausgeprägter.
Die Wissenschaftler sprechen deshalb von einem möglichen zusätzlichen Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Die Ergebnisse bedeuten allerdings nicht, dass bereits ein schwach leuchtender Wecker zwangsläufig eine Herzerkrankung verursacht. Die Studie zeigt zunächst einen Zusammenhang und liefert mögliche Erklärungen dafür.
Wie dunkel sollte das Schlafzimmer sein?
Für einen möglichst ungestörten Schlaf empfehlen Experten ein sehr dunkles Schlafzimmer. Als Orientierung wird eine Beleuchtungsstärke von höchstens etwa 1 Lux genannt. Lux beschreibt, wie viel Licht auf eine bestimmte Fläche fällt. Bereits ungefähr 3 Lux können einer schwachen nächtlichen Beleuchtung entsprechen, beispielsweise Mondlicht oder Licht, das unter einer geschlossenen Tür hindurchscheint.
Im Alltag können zahlreiche kleine Lichtquellen hinzukommen. Dazu gehören ein Smartphone mit nach oben gerichtetem Display, ein leuchtender Wecker, Stand-by-Anzeigen elektronischer Geräte oder Straßenbeleuchtung, die durch das Fenster in das Schlafzimmer fällt.
Mehr als 11.000 Menschen untersucht
Für die Untersuchung wurden Daten von mehr als 11.000 Personen ausgewertet, die zu Beginn keine bekannten Herz-Kreislauf-Erkrankungen hatten. Die Teilnehmer gehörten zur UK Biobank, einer großen britischen Gesundheitsdatenbank. Sie trugen sieben Tage lang einen Sensor am Handgelenk, der unter anderem die nächtliche Lichtexposition erfasste. Rund drei Jahre später wurde mittels kardiovaskulärer Magnetresonanztomographie untersucht, wie das Herz aufgebaut war und wie gut es funktionierte. Dadurch konnten die Wissenschaftler die zuvor gemessene Lichtexposition mit später festgestellten Unterschieden bei Struktur und Funktion des Herzens vergleichen.
Mehr als 3 Lux mit Veränderungen am Herzen verbunden
Besonders auffällig waren die Ergebnisse bei Menschen, die während des Schlafs Lichtstärken von mehr als 3 Lux ausgesetzt waren. Im Vergleich zu Personen ohne entsprechende nächtliche Lichtexposition zeigte sich eine Verdickung der Wand der linken Herzkammer. Die linke Herzkammer hat eine zentrale Aufgabe: Sie pumpt sauerstoffreiches Blut in den Körper. Wenn sich ihre Muskelwand verdickt, kann der Innenraum kleiner werden und der Herzmuskel steifer werden. Die Forscher beobachteten außerdem eine geringere Fähigkeit des Herzmuskels, sich während des Herzschlags zu verformen. Solche Veränderungen können ein frühes Zeichen einer beeinträchtigten Herzfunktion darstellen.
Auch in zwei weiteren Herzkammern wurden Veränderungen festgestellt. Insgesamt deuteten die Ergebnisse darauf hin, dass stärkere nächtliche Lichtexposition mit ausgeprägteren Veränderungen verbunden war.
Was bedeutet „Cardiac Remodeling“?
Die strukturelle Veränderung des Herzmuskels wird als „Cardiac Remodeling“ bezeichnet. Dabei können sich Größe, Form, Wandstärke oder Funktion des Herzens verändern. Eine Verdickung des Herzmuskels ist nicht grundsätzlich krankhaft – beispielsweise können bestimmte Anpassungen auch bei intensivem Sport auftreten. Problematisch können jedoch Veränderungen sein, bei denen der Herzmuskel zunehmend steif wird und seine normale Funktion beeinträchtigt wird. Langfristig können ungünstige Formen des Cardiac Remodeling mit einem erhöhten Risiko für Herzinsuffizienz und andere Herz-Kreislauf-Erkrankungen verbunden sein.
Warum könnte Licht während des Schlafs das Herz beeinflussen?
Eine mögliche Erklärung liegt in der Qualität und Dauer des Schlafs. Licht ist ein wichtiger Taktgeber für die innere Uhr des Menschen. Nächtliche Beleuchtung kann biologische Prozesse beeinflussen, die normalerweise an den Wechsel zwischen Tag und Nacht angepasst sind. Nach Angaben der Studienautoren könnten zwischen 24% und 49% des beobachteten Zusammenhangs mit einer verkürzten Schlafdauer von weniger als fünf bis sechs Stunden zusammenhängen.
Der übrige Zusammenhang könnte über andere Mechanismen entstehen. Diskutiert werden unter anderem Veränderungen von Stressreaktionen, Blutdruck und Herzfrequenz sowie weitere biologische Prozesse, die durch eine Störung des normalen Tag-Nacht-Rhythmus beeinflusst werden können.
Smartphone und Wecker als vermeidbare Lichtquellen
Die Ergebnisse sind auch deshalb interessant, weil sich viele nächtliche Lichtquellen relativ einfach reduzieren lassen. Ein Smartphone kann beispielsweise mit dem Display nach unten gelegt oder vollständig außerhalb des Schlafzimmers aufbewahrt werden. Helle Displays von Weckern können gedimmt oder abgedeckt werden. Bei Licht von draußen können Vorhänge, Rollos oder andere Verdunkelungsmöglichkeiten helfen. Auch unnötige Stand-by-Leuchten elektronischer Geräte lassen sich häufig ausschalten.
Dabei geht es nicht darum, jedes einzelne Lichtteilchen aus dem Schlafzimmer zu verbannen. Die Studie unterstützt vielmehr die bereits verbreitete Empfehlung, für guten Schlaf eine möglichst dunkle Umgebung zu schaffen.
Lichtverschmutzung rückt stärker in den Fokus
Nächtliche Lichtverschmutzung wird zunehmend als möglicher Gesundheitsfaktor untersucht. In Städten sind Menschen häufig Straßenbeleuchtung, Werbetafeln, Gebäudebeleuchtung und zahlreichen künstlichen Lichtquellen ausgesetzt. Die neue Untersuchung liefert Hinweise darauf, dass dies möglicherweise nicht nur die Schlafqualität beeinflusst, sondern auch mit messbaren Veränderungen des Herz-Kreislauf-Systems verbunden sein könnte.
Für endgültige Aussagen über Ursache und Wirkung sind jedoch weitere Untersuchungen notwendig. Beobachtungsstudien können Zusammenhänge aufzeigen, aber nicht zweifelsfrei beweisen, dass die nächtliche Beleuchtung selbst die festgestellten Herzveränderungen verursacht hat.
Dunkles Schlafzimmer als einfache Vorsorgemaßnahme
Unabhängig davon ist ein dunkles Schlafzimmer eine vergleichsweise einfache Maßnahme zur Verbesserung der Schlafumgebung. Wer nachts unnötige Lichtquellen reduziert, muss dafür weder Medikamente einnehmen noch größere Veränderungen im Alltag vornehmen. Die neuen Ergebnisse liefern einen weiteren möglichen Grund, Displays, helle Wecker und störendes Außenlicht während der Nacht zu vermeiden. Entscheidend bleibt jedoch das Gesamtbild: ausreichend Schlaf, regelmäßige Bewegung, eine ausgewogene Ernährung sowie die Kontrolle von Blutdruck und anderen bekannten Risikofaktoren sind für die Herzgesundheit wesentlich besser belegt.
FAQ
Ist Licht beim Schlafen schlecht für das Herz?
Die Studie zeigt einen Zusammenhang zwischen stärkerer nächtlicher Lichtexposition und Veränderungen der Struktur und Funktion des Herzmuskels. Sie beweist jedoch nicht, dass Licht allein diese Veränderungen verursacht.
Wie dunkel sollte ein Schlafzimmer nachts sein?
Für eine gute Schlafumgebung wird möglichst wenig Licht empfohlen. Als Orientierung nennen Experten eine Beleuchtungsstärke von maximal etwa 1 Lux.
Sind 3 Lux bereits viel Licht?
Nein, 3 Lux wirken für das menschliche Auge relativ dunkel. In der Studie waren jedoch bereits Lichtstärken oberhalb dieses Bereichs mit stärkeren Veränderungen am Herzen verbunden.
Kann das Smartphone auf dem Nachttisch den Schlaf beeinflussen?
Ein aufleuchtendes Smartphone kann eine zusätzliche Lichtquelle darstellen und den Schlaf stören. Wer dies vermeiden möchte, kann das Gerät mit dem Display nach unten legen, den Nachtmodus nutzen oder es außerhalb des Schlafbereichs aufbewahren.
Kann nächtliches Licht Herzkrankheiten verursachen?
Das lässt sich anhand dieser Studie nicht sicher sagen. Die Ergebnisse zeigen eine Verbindung zwischen Lichtexposition und bestimmten Herzveränderungen, aber keinen eindeutigen Beweis für einen direkten Ursache-Wirkungs-Zusammenhang.






